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Tierschutz – das neue „Bio“

Was es bei Eiern längst gibt, soll auch beim Fleisch Wirklichkeit werden: Eine Kennzeichnung hinsichtlich des Tierschutzstandards. Dieses langfristige Ziel steht über der Initiative des Deutschen Tierschutzbundes zur Einführung eines Tierschutzlabels. Das neue Label soll einen Mehr an Tierschutz auszeichnen und muss somit deutlich über den gesetzlichen Mindeststandards angesiedelt sein. In Deutschland wird das Marktsegment der an Tierschutz interessierten und zu einem Mehrpreis für Tierschutz beim Fleischeinkauf bereiten Verbraucher auf 20 % der Bevölkerung geschätzt. Wenn das neue Label eine Erfolgsgeschichte werden soll, müssen drei Anforderungen vereinbar sein:

1. Konkrete Verbesserungen beim Tierschutz, so dass negative Bilder zum Fleisch in den Köpfen der Verbraucher zuverlässig ausgeschlossen werden.

2. Diese Verbesserungen müssen von einer größeren Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe auch erfüllbar sein.

3. Das so gewonnene Fleisch und die daraus hergestellten Fleischerzeugnisse müssen für viele Verbraucher attraktiv sein.

Aus diesen Zielvorgaben heraus war es folgerichtig, ein zweistufiges Tierschutzlabel zu entwickeln. Der Einstiegsstandard wird das Volumengeschäft abdecken und der Premiumstandard wird für einen höheren Mehrpreis wohl etwa das bieten, was heute schon vom Markenfleischprogramm NEULAND geboten wird (zu dessen Trägern gleichfalls der Deutsche Tierschutzbund zählt).

In jedem Fall zeigt die große Diskussion um Tierschutz in der Fleischproduktion, dass jeder in der Fleischbranche gut beraten ist, seine Produktvorteile zum Tierschutz herauszuarbeiten und zum Kunden zu kommunizieren. Das Label des Deutschen Tierschutzbundes bietet die einmalige Chance, von der Glaubwürdigkeit dieser Organisation zu profitieren. Das wird Geld kosten und das wird kontrolliert werden. Aber den Aufwand ist es wert. Denn eines zeichnet sich heute schon ab: Tierschutz ist das neue „Bio“.

Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelkontrolle

Sicherheit und Produktionsstrukturen

Sicherheit und Kontrolle von Lebensmitteln hängen stark mit den Strukturen in der Produktion auf allen Ebenen zusammen: Ein immer höheres Maß an Arbeitsteilung schafft zwangsläufig ein höheres Maß an Verantwortungsteilung. Mit zunehmender Arbeitsteilung muss also auch die Kontrolle intensiviert werden. Dezentrale (hier besonders regionale) Vermarktungsstrukturen sind leichter zu kontrollieren und bieten generell geringere Risiken. Zwar können auch hier Fehler auftreten, diese Fehler bleiben aber in ihren Auswirkungen begrenzt

Institutionalisierung und personalisierte Sicherheit

Lebensmittelsicherheit entsteht vor allem durch verantwortungsbewusst arbeitende Menschen. Mehr persönliche Verantwortung - die vor allem in inhabergeführten Betrieben des Lebensmittelhandwerks und in der bäuerlichen Landwirtschaft erkennbar wird - ist eines der wirkungsvollsten Sicherungssysteme in kleingliedrigen Strukturen.

Reale Kontrolle und “Kontrolle der Kontrolle”

Wir verlassen uns zu sehr auf institutionalisierte Sicherungssysteme. In den vergangenen Jahren hat die Lebensmittelüberwachung einen Rückzug auf die “Kontrolle der Kontrolle” angetreten: Die Betriebe werden in stärkerem Maße zu Eigenkontrollen und Dokumentationen verpflichtet.. Die Kontrolleure prüfen zu sehr diese Dokumentationen und zu wenig die realen Betriebe.

Neue Möglichkeiten des Datenzugriffs

Überall dort, wo große Risiken gegeben sind, besteht für Kontrolleure ständiger Datenzugriff auf Waren- und Personenbewegungen. Die heute im industriellen Bereich üblicherweise eingesetzte integrierte Unternehmenssoftware ermöglicht diesen Datenzugriff für die Kontrolleure. Weiterhin könnte diese Möglichkeit auch den Verbrauchern gegeben werden - so könnte ein auf das Produkt bezogener Code dem Endkonsumenten ermöglichen, die Chargen seines Lebensmittels bis zum Bauernhof zurückzuverfolgen

Familienfreundlichkeit und Generationengerechtigkeit

Die beiden Begriffe klingen sehr nach ganz großen Worten, sind aber vor allem in mittleren und kleinen Unternehmen zuhause: Familienfreundlichkeit erlebe ich bei meinen Kunden im Handwerk beispielsweise durch:

·         Beschäftigungs- und Karrierechancen für Frauen

·         Hohe Rückkehrquote von Frauen nach der Babypause

·         Unbürokratische Lösungen, wenn eine Arbeitnehmerin eine Betreuung für das Kind braucht

·         In vielen Familienbetrieben sind er und sie, also ganze (Ehe-)Paare beschäftigt.  Generationengerechtigkeit erkennen wir in der handwerklichen Lebens- und Wirtschaftsweise durch:

·         Altersgemischte Teams, in denen die älteren Mitarbeiter/innen eine ihrer Lebens- und Berufserfahrung angemessene Position einnehmen.

·         Gute Chancen zur beruflichen Neuerfindung (Fleischerei-Fachverkäuferin macht Zusatzqualifikation zur Ernährungsberaterin).

·         Hohes Maß an gemeinschaftlichem Arbeiten und Solidarität unter den Kolleginnen und Kollegen.

·         „Familienunternehmen“, in denen das „Familienoberhaupt“ eine Verantwortung empfindet, die weit über die des bloßen Arbeitgebers hinausgeht.    

Es wurden wirklich gute Anfänge gemacht. Gleichermaßen müssen wir in den Disziplinen Familienfreundlichkeit und Generationengerechtigkeit noch besser werden. Ganz aktuell startet hier der Landesinnungsverband Baden-Württemberg des Fleischerhandwerks zusammen mit der BWHM (Beratungsgesellschaft des Baden-Württembergischen Handwerkstages) eine viel versprechende Initiative (www.fleischerverbandbw.de). Als Vordenker für die Umsetzung von Generationengerechtigkeit darf das Roman Herzog Institut gelten (www.romanherzoginstitut.de) und in Sachen Familienfreundliches Unternehmen gibt das dafür zuständige Bundesministerium nutzbringende Informationen heraus (www.bmfsfj.de). Wenn Sie selbst Erfahrungen mit der Umsetzung von Maßnahmen für Mütter und ältere Mitarbeiter/innen gemacht haben, teilen Sie mir diese doch mit! Denn: Nichts überzeugt mehr als erfolgreiche Praxisbeispiele!

Wohnortnahe Standorte wieder im Kommen

“Wir sehen im Lebensmittelhandel erste Anzeichen für eine Renaissance des Einzelstandorts in Großstädten beziehungsweise in hoch verdichteten Wohngebieten”, so kommentiert Dr. Eberhard Stegner, GfK Einzelhandelsexperte, im Newsletter im der GfK-Geomarketing aus Nürnberg von heute. Rewe zeigt mit “Rewe City” wie der fußläufig erreichbare kleine Supermarkt der Zukunft aussieht und Tengelmann will in die gleiche Richtung marschieren.

Diese Nachricht ist der Vorbote für die Wiedergeburt der klassischen Metzger- und Bäckerstandorte in den Wohngebieten. Dabei könnten die Unternehmen des Lebensmittelhandwerks gemeinsam auch die Nahversorgerfunktion übernehmen, welche die Handelskonzerne jetzt wieder für sich entdecken.

Die Entwicklung ist nur logisch: Immer weniger können oder wollen mit dem Auto zum Einkaufen fahren. Der beginnende Wandel im Bereich privater Mobilität fördert die wohnortnahen Standorte. Für die Planung eines solchen Standortes fordert die GfK, dass in einem Radius von fünf bis acht Gehminuten zwischen 690 und 3150 Menschen leben sollten. Die Kunden dieser traditionellen Standorte sind schließlich fußläufige “Taschenkunden” - und damit ist das Einzugsgebiet eines solchen Standortes auch eng begrenzt. 

Wir haben keine Zeit, wir müssen arbeiten und Geld verdienen

Bei einem Beratungsauftrag im August 2010 stellte sich diese Situation: Ein gutes Unternehmen mit anerkannt guten Produkten verdient zu wenig Geld. Zum Beginn des halbtägigen Gesprächs mit der Inhaberfamilie erklärte der Chef: „Eigentlich haben wir dafür ja gar keine Zeit, denn wir müssten alle jeden Tag schaffen und Geld verdienen“. Die Inhaberfamilie erarbeitete in den nächsten Stunden Antworten auf diese Fragen:

·         Mit welchen bestehenden Produkten könnten wir mit schon bestehenden Kunden mehr Umsatz machen?

·         Mit welchen neuen Angeboten könnten wir schon bestehende Kunden zu mehr Einkäufen locken?

·         Mit welchen ganz neuen Angeboten könnten wir ganz neue Kunden gewinnen?

Die Antworten auf die ersten beiden Fragen lagen in einem Durchackern der Kundenliste und der erfolgreichsten Produkte. Die Antwort auf die dritte Frage war ein Gedankenausflug in die Zukunft – dabei haben wir im Kern überlegt „Was könnten wir tun, was uns Spaß macht und Geld bringt?“. Sie ahnen es wahrscheinlich schon – wir hatten am Ende dieses Beratungsgesprächs eine To-Do-Liste, die bei kleinem Werbeaufwand eine erhebliche Umsatzsteigerung verspricht. Das zu knackende Problem war kein wirtschaftliches oder strategisches – die fleißigen Leute dieser Unternehmerfamilie haben einfach jeden Tag viel zu viel gearbeitet, als dass noch Zeit blieb an Morgen und Übermorgen zu denken. Deshalb: Nehmen wir uns öfter mal Zeit für das wirklich Wichtige, und lassen uns von dem vielen täglich Dringenden nicht „auffressen“.