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Wir haben keine Zeit, wir müssen arbeiten und Geld verdienen

Bei einem Beratungsauftrag im August 2010 stellte sich diese Situation: Ein gutes Unternehmen mit anerkannt guten Produkten verdient zu wenig Geld. Zum Beginn des halbtägigen Gesprächs mit der Inhaberfamilie erklärte der Chef: „Eigentlich haben wir dafür ja gar keine Zeit, denn wir müssten alle jeden Tag schaffen und Geld verdienen“. Die Inhaberfamilie erarbeitete in den nächsten Stunden Antworten auf diese Fragen:

·         Mit welchen bestehenden Produkten könnten wir mit schon bestehenden Kunden mehr Umsatz machen?

·         Mit welchen neuen Angeboten könnten wir schon bestehende Kunden zu mehr Einkäufen locken?

·         Mit welchen ganz neuen Angeboten könnten wir ganz neue Kunden gewinnen?

Die Antworten auf die ersten beiden Fragen lagen in einem Durchackern der Kundenliste und der erfolgreichsten Produkte. Die Antwort auf die dritte Frage war ein Gedankenausflug in die Zukunft – dabei haben wir im Kern überlegt „Was könnten wir tun, was uns Spaß macht und Geld bringt?“. Sie ahnen es wahrscheinlich schon – wir hatten am Ende dieses Beratungsgesprächs eine To-Do-Liste, die bei kleinem Werbeaufwand eine erhebliche Umsatzsteigerung verspricht. Das zu knackende Problem war kein wirtschaftliches oder strategisches – die fleißigen Leute dieser Unternehmerfamilie haben einfach jeden Tag viel zu viel gearbeitet, als dass noch Zeit blieb an Morgen und Übermorgen zu denken. Deshalb: Nehmen wir uns öfter mal Zeit für das wirklich Wichtige, und lassen uns von dem vielen täglich Dringenden nicht „auffressen“.  

Handwerk ist teuer, aber macht Sinn

Fleischerhandwerk, das ist die aufwändigste und teuerste Möglichkeit Fleischerzeugnisse herzustellen. Es kostet viel mehr, in relativ kleinen Mengen eine große Palette von Waren mehrmals wöchentlich frisch herzustellen, dabei gelernte Fachkräfte einzusetzen und auf manche Möglichkeit der Kostenreduzierung zu verzichten.
Bestünde Qualität nur aus technisch messbaren Größen, dann würde die Industrie das gleiche wie das Fleischerhandwerk herstellen, nur eben deutlich kostengünstiger und die Metzger müssten von der Bühne abtreten. Müssen Sie aber nicht! Denn Handwerk ist zwar kostenaufwändig, macht aber Sinn. Die Konsumenten kaufen an den Theken der Fleischerfachgeschäfte aber nicht nur Fleisch und Wurst, sie erwerben auch Sinn. Dieser Sinn muss ihnen natürlich von jeder Bedienkraft auch erklärt werden. Die Kunden müssen durch den Einkauf im Fleischerfachgeschäft erfahren, was regionale Waren- und Wirtschaftskreisläufe bedeuten: Dass es auch in Zukunft noch Bauern in der Region gibt. Dass Köche, Metzger und Verkäuferinnen Arbeit finden. Dass auf die vielen Mittelchen zur Kostenminimierung und Haltbarkeitsverlängerung verzichtet wird. Dass für alles, was da passiert noch einer (der verantwortliche Meister) eine absolute persönliche Qualitätsgarantie übernimmt.

Es muss ja nun manches zwanzig oder dreißig Jahre altmodisch gelten, um plötzlich wieder ganz hip zu sein – manches spricht dafür, dass dies für „Handwerk“ gilt. Wer liest, wie sich Zukunfts- und Trendforscher mit den „Sinnmärkten“ auseinandersetzen, weiß, dass die Menschen nach Werthaltigkeit, Tiefe und Orientierung suchen (und danach suchen auch die, die nicht die ganz große Kaufkraft haben).

Ein Bravo in dieser Sache richte ich an die Fleischerinnung Fürth: Die Mitgliedsbetriebe und der Metzgerschlachthof Fürth werben mit „Sauwohl – ohne Gentechnik gefüttert“. Hinter den Metzgern steht da auch der Bund Naturschutz in Bayern (BUND). Mit solchen Aktionen werden die Metzger zur grundsätzlichen Alternative.

Gesundsparen, nicht Kaputtsparen

Das Geldverdienen wird schwieriger. Und wenn die Umsätze nicht mehr steigen, müssen Erträge über Kosteneinsparungen gesichert werden. Die Folge: Wir reagieren instinktiv mit Ausgabenkürzungen. Doch beim Versuch, Fett und überflüssige Pölsterchen loszuwerden, schneiden sich manche Unternehmerinnen und Unternehmer dabei ins eigene Fleisch, verletzen die Muskeln, Knochen und Sehnen des Unternehmens. Da berät dann der Führungskreis eines größeren Lebensmittelverarbeiters ernsthaft darüber, zum Kostensparen die innerbetriebliche Weiterbildung bis auf weiteres zu stoppen. Und mancher Mittelständler wartet mit dem nächsten Mitarbeiterseminar, bis die Zeiten wieder etwas besser sind.
Vorausschauendes unternehmerisches Handeln sieht anders aus. Gerade die Aus- und Weiterbildung gehören zu den strategischen Maßnahmen, die langfristige Wettbewerbsvorteile sichern. Und zu den wichtigsten unternehmerischen Aufgaben in der Krise gehört, die Krise zu erklären! Die tatsächliche oder vermeintliche Krise ist genau der richtige Zeitpunkt, um einen großen Schritt in Richtung „transparentes Unternehmen“ zu gehen. Ich habe selbst meine schönsten Erfolgerlebnisse als Berater oft dabei gemacht, zum Beispiel Mitarbeitern von Fleischerfachgeschäften die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge zu erklären: Warum bei sinkenden Umsätzen die Personalkosten steigen. Warum der prozentuale Wareneinsatz steigt, wenn wir weniger verkaufen. Wie Metzger in der Produktion und Verkäuferinnen im Laden dazu beitragen, den Wareneinsatz zu senken und so den Gewinn zu erhöhen. Oft sind es einfache Wahrheiten, die erklärt werden müssen. Die Mühe lohnt! Denn wer die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit bestimmter Maßnahmen erklärt bekommt, geht mit mehr Motivation ans Werk.

Deutsche Bank pleite?

+++ Merkel garantiert für Gehaltszahlungen? +++ Staatlich garantierter Weihnachtsbraten? +++

Im Oktober 2008 verspricht die Bundeskanzlerin, dass die privaten Bankguthaben sicher sind. Was wird Sie im November versprechen? Vielleicht die staatlich abgesicherten Gehaltszahlungen Ende des Monats. Und im Dezember? Vielleicht jedem Deutschen einen staatlich garantierten Gänsebraten, der am ersten Weihnachtsfeiertag in staatlichen Garküchen abgeholt werden kann? Plötzlich scheint alles möglich. Wenn gestern die Hypo Real Estate gerade noch mit dem Steuergeld des „kleinen Mannes“ gerettet werden konnte, warum nicht morgen die Dresdner oder die Deutsche Bank? Die bisherige Wirtschaftsordnung hat ein Stück weit ausgedient – da hat ganz einfach ein über Jahrzehnte vorherrschendes System verloren. Als das letzte Mal in Deutschland ein vorherrschendes System verloren hat, schrieben wir 1989 und in Berlin fiel die Mauer. Das sich jetzt neu entwickelnde Wirtschaftssystem kann anders gestaltet sein:

  • Der gewerbliche Mittelstand, das Handwerk und die Kleingewerbetreibenden können ihren verloren gegangenen Einfluss wiedergewinnen.
  • Regionale Waren- und Wirtschaftskreisläufe können sich als stabile Basis für das Leben und Arbeiten der Menschen beweisen.
  • Genossenschaften und andere Selbsthilfeorganisationen der Wirtschaft können wieder mehr Verantwortung übernehmen.

Das Geld kann wieder mehr mit realer Arbeit und Produkten zum Anfassen verdient werden und weniger mit virtuellen Fantasieprodukten.Es ist den Interessenvertretern des Handwerks und des Mittelstands zu wünschen, dass Sie im Umgang mit der Politik ein kleines Stück von der Dreistigkeit annehmen, mit der die Pleitiers unter den Bankmanagern jetzt staatliche Rettungsmaßnahmen einfordern. Und, noch viel wichtiger: Wir alle sollten jetzt den Mund aufmachen, mitgestalten.

Ja, da ist ein Steuerprüfer dabei

„Sie haben da wirklich einen Steuerprüfer eingeladen?“ – so ähnlich fragen mich manche Kunden in diesen Tagen bezüglich unserer Veranstaltung am 16. April in Ettlingen. Vor einigen Tagen habe ich mich mit Klaus Götz, Steuerprüfer beim Finanzamt Reutlingen, und Dipl. oec. Marcus Müller, zu einer Vorbesprechung getroffen. Ich gebe ja offen zu, dass eine Veranstaltung mit einem Steuerprüfer auch für mich etwas ganz Neues ist.

Aber schon das Vorgespräch hat sich gelohnt. Wir haben ganz einfache Wahrheiten gefunden. Beispielsweise, dass diejenigen, die den Staat gerne bescheißen, wiederum auch die sind, die von Ihren Mitarbeitern und Kunden oft beschissen werden.

Ich halte es für enorm wichtig, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer mit den Rechten der Betriebsprüfer beim digitalen Datenzugriff befassen. Wer weiß, was auf ihn zukommt, ist für die nächste Betriebsprüfung einfach besser gerüstet. Dieser Nachmittag in Ettlingen soll helfen, die unangenehmen Folgen einer Betriebsprüfung vorab zu vermeiden. Und noch was: Steuerprüfer sind auch nur Menschen, manchmal solche mit ganz vernünftigen Ansichten. Trotzdem möchte ich selbst keiner sein. Die Vorstellung, dass sich niemand mehr freut, wenn ich ihn besuche …

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